Männer Podcast #31 – Erschöpfung Führungskraft: Warum dein Zustand das Team führt

Du kennst den Moment. Jemand sagt etwas zur falschen Zeit, du reagierst zu scharf, zu laut. Du weißt sofort: Das hätte nicht sein müssen. Die Frage ist nicht, ob das passiert. Die Frage ist: Was war davor?

Heiko van Eckert hat diesen Moment selbst erlebt, viele Male. Als Unternehmer und langjährige Führungskraft war er dafür bekannt, im Büro laut zu werden. Manchmal ungerecht. Er bemerkte es immer sofort. Aber da war es bereits zu spät. Die Worte standen im Raum, die Stimmung hatte sich verändert. Was er über Jahre lernte: Der Auslöser war nie die Situation selbst. Der Auslöser war sein eigener Zustand davor.

Darum geht es in diesem Artikel. Erschöpfung bei Führungskräften ist kein privates Problem. Sie wirkt sich direkt auf das Team aus, auf die Entscheidungsqualität und auf das Klima in der gesamten Organisation. Wer das versteht, führt anders.


Dein Team liest deinen Zustand, bevor du sprichst

Mitarbeiter reagieren auf ihre Führungskraft, bevor sie auch nur ein Wort gehört haben. Körpersprache, Energie, Tempo im Auftreten teilen sich mit, bevor die erste Aussage fällt. Das ist keine Führungstheorie, das ist Neurobiologie. Spiegelneuronen sorgen dafür, dass Menschen die Zustände anderer unbewusst verarbeiten. Wir sind soziale Wesen, die aufeinander kalibriert sind.

Für Führungskräfte bedeutet das: Der eigene Zustand ist nie rein privat. Er strahlt aus. Je höher die Position in der Organisation, desto größer der Radius. Führungskräfte kalibrieren sich auf den Chef. Ihre Bereiche kalibrieren sich auf sie. Der Zustand pflanzt sich fort.

Gereiztheit ist das Ventil. Wenn der Druck zu groß wird, geht er dort raus. Die Menschen im Umfeld bekommen ihn ab, ohne es zu verstehen.


Was im Team passiert, wenn der Chef erschöpft ist

Wenn Führungskräfte dauerhaft unter Druck stehen und ihren Zustand nicht managen, reagiert das Umfeld auf eine bestimmte Art. Menschen werden vorsichtiger. Sie äußern sich zurückhaltender. Manche verstummen. Die Energie im Raum sinkt. Direkte Rückmeldungen bleiben aus.

Heiko van Eckert beschreibt das präzise: Wer das als Führungsproblem sieht, sieht es falsch. Es ist ein Zustandsproblem. Das Führungsproblem ist die Folge, der erschöpfte Zustand ist die Ursache.

Der Geschäftsführer, der das nicht wahrhaben will, sieht ein Team, das nicht performt. Er sieht mangelnde Direktheit, fehlende Initiative. Was er nicht sieht: Er selbst ist die Variable, die sich geändert hat.


Selbstführung ist nicht Selbstkontrolle

Heiko van Eckert unterscheidet scharf zwischen zwei Begriffen. Selbstkontrolle ist Unterdrückung. Man hält die Reaktion zurück, der Druck bleibt. Selbstführung bedeutet etwas anderes: den eigenen Zustand kennen, ihn ernst nehmen und managen, bevor er das Handeln bestimmt.

Heikos Formulierung: Ich handle, bevor er mich handelt. Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Wer Reaktionen managt, kämpft immer gegen die Folgen. Wer den Zustand managt, greift früher ein.

In komplexen Verhandlungen, die Heiko van Eckert seit über 20 Jahren begleitet, ist Selbstführung aus seiner Sicht eines der wichtigsten Assets eines Verhandlungsführers. Was dort gilt, gilt in jeder Führungssituation.

„Erschöpfung ist kein Zeichen von Schwäche, sie ist ein Signal. Und ein Signal ist dazu da, gehört zu werden.“
— Heiko van Eckert


Warum Erschöpfung sich nicht von selbst löst

Die meisten Männer in Führungspositionen bemerken ihren Zustand. Sie ahnen, dass etwas nicht stimmt. Aber sie warten. Bis das Projekt durch ist. Bis die Reorganisation abgeschlossen ist. Bis die Zeiten besser werden.

Dieses Warten ist ein Fehler mit Systemcharakter. Nach dem Change ist vor dem Change. Organisationen befinden sich in Dauertransformation. Erschöpfung löst sich nicht von selbst auf. Sie baut sich auf, Schicht für Schicht.

Der erste Schritt heraus ist einfach beschreibbar, aber er kostet etwas: ehrlich hinschauen. Auf den eigenen Zustand. Wann hast du zuletzt bemerkt, dass dein eigener Zustand der Auslöser war, das Ereignis danach nur der Anlass?

Das ist keine therapeutische Frage. Das ist eine Führungsfrage.


Fazit: Wer sich selbst führt, führt das Team anders

Erschöpfung bei Führungskräften ist eine Führungsvariable, keine Persönlichkeitsschwäche. Sie beeinflusst das Klima, die Kommunikation und die Leistungsfähigkeit eines ganzen Teams. Wer das erkennt, hört auf, Symptome zu bekämpfen, und beginnt, die Ursache zu managen.

Führung beginnt bei der Selbstführung. Den eigenen Zustand wahrnehmen, benennen und regulieren, bevor er sich auf andere überträgt. Wer das tut, entscheidet aus einem stabileren Zustand heraus. Wer das ignoriert, gibt seinen Zustand an das Team weiter.

Wenn du merkst, dass dein Zustand im Moment mehr Energie kostet als er bringt, ist das der richtige Moment für ein erstes Gespräch.


Heiko van Eckert spricht in Episode 031 ausführlich über Erschöpfung, Zustandsmanagement und Selbstführung als Führungsverantwortung. Hier anhören: https://youtu.be/0NHK4iKGojE

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