Es gibt Männer, die über Jahre perfekt funktionieren: pünktlich, verlässlich, immer lieferfähig. Dann meldet sich der Körper. Oder die Ehe kippt. Oder die Kinder gehen auf Distanz, ohne dass jemand es ausspricht. Heiko van Eckert kennt dieses Muster von innen: Er hat selbst performt, bis er in der Burnout-Klinik landete. Heute sieht er es täglich bei Männern in Führungsverantwortung.
In Episode 33 des Podcasts „Männer in Balance“ spricht Heiko mit Robert Hornsteiner, seit 18 Jahren Leadership-Entwickler im Mittelstand, über die Frage: Was macht das System Unternehmen mit dem Mann? Die Antwort liefert drei konkrete Hebel: eine Frage, die deinen Ist-Zustand erklärt, ein Modell für Präsenz im Alltag und eine tägliche Routine, die zwei Prozent deines Tages kostet.
Dein Zustand ist das, was du zu tolerieren bereit bist
Der Zustand einer Führungskraft ist das Ergebnis dessen, was sie bereit ist zu tolerieren. Diese Formel stammt von Robert Hornsteiner. Wer als Unternehmer akzeptiert, dass ihn sonntags beim Spaziergang mit seiner Frau jeder erreichen kann, etabliert ein Muster. Nach ein paar Monaten hinterfragt er es gar nicht mehr. Das Unterbewusstsein übernimmt.
Hornsteiner macht das an sich selbst fest. Er ist Unternehmer, geschieden, hat zwei erwachsene Töchter und einen vierjährigen Sohn. Mit Matteo lebt er heute eine andere Toleranzgrenze als damals mit den älteren Kindern. Der Unterschied entstand durch eine bewusste Entscheidung.
Für dich heißt das: Prüfe, was du gerade tolerierst. Die ständige Erreichbarkeit. Das Unternehmen, das nachts mit im Bett liegt. Termine ohne Pause. All das sind Muster, die du irgendwann zugelassen hast. Und was du zugelassen hast, kannst du ändern.
Präsenz ist der Hebel: das Inselstaat-Modell
Präsenz heißt, ganz dort zu sein, wo du gerade bist. Robert Hornsteiner beschreibt das Leben dafür als Inselstaat: Es gibt eine eigene Insel, auf der du auftankst. Eine Beziehungsinsel für dich und deine Partnerin. Dazu Familieninsel, Jobinsel, Vereinsinsel. Wer genau hinschaut, zählt schnell zwölf Rollen. Die Frage ist, ob du auf der Insel präsent bist, auf der du gerade stehst.
Das menschliche Gehirn arbeitet im Monotasking-Modus. Wer eine Sache macht, kommt in den Flow. Wer parallel aufs Handy schaut, verliert beides: die Konzentration und den Moment.
Heiko erzählt dazu eine Geschichte aus seiner eigenen Ehe. Vor 26 Jahren machte er mit seiner Frau ein gemeinsames Beratungsprojekt. Fünf Tage lang war der Workshop überall dabei: morgens im Bett, am Esstisch, im Auto. Der erste Satz nach dem Aufwachen drehte sich um den Ablaufplan. Danach trafen beide eine radikale Entscheidung: getrennte Businesses, gemeinsame Paarzeit ohne Firmenthemen. Die Entscheidung hält bis heute.
„Wenn ich einen Workshop halte, halte ich einen Workshop. Wenn ich meine Frau im Arm halte, halte ich meine Frau im Arm. Das macht den Unterschied.“
— Heiko van Eckert, Episode 33
Zwei Prozent des Tages: die Routine, bevor es weh tut
Zustandsmanagement funktioniert in kleinen Dosen. Robert Hornsteiner empfiehlt fünf Minuten täglich: Wo stehe ich gerade? Wie geht es mir? Wofür bin ich dankbar, was ärgert mich? Sein Satz dazu: Jeder Tag ist ein kleines Leben. Wer täglich justiert, muss nicht warten, bis er nach sechs Monaten Vollgas vor der Wand landet.
Heiko geht einen Schritt weiter. In seinem Kalender steht jeden Tag eine halbe Stunde mit dem Titel „Zeit für Heiko“. Dieser Termin hat denselben Rang wie ein Kunden-Call oder das Abendessen mit seiner Frau. Eine halbe Stunde entspricht zwei Prozent des Tages. Diesen Anteil hält Heiko für angemessen.
Der schwierige Teil ist ein anderer: die eigenen Impulse ernst nehmen. Männer schieben Warnsignale gern weg. Die Schulter schmerzt, der Streit mit der Frau wiederholt sich, die dritte Erkältung in Folge kommt. Hornsteiner beschreibt seinen eigenen Reflex: Seine Frau fragt, ob er erkältet sei, und er verneint automatisch. Der Trainingseffekt liegt im ehrlichen Hinschauen, bevor der Körper die Entscheidung übernimmt.
Kultur beginnt beim Chef: Check-ins und psychologische Sicherheit
Unternehmenskultur verändert sich über Kleinigkeiten. Hornsteiner nennt ein Beispiel: Ein Unternehmer eröffnet das Meeting und geht sofort in die To-dos. Ein anderer nimmt sich die ersten fünf Minuten Zeit und fragt sein Team, wie es gerade da ist. Der zweite baut damit psychologische Sicherheit auf: die Bereitschaft, zwischenmenschliches Risiko einzugehen. Auf diesem Boden entsteht Performance.
Heiko erinnert sich an seinen ersten Vertriebschef Willi, fast 40 Jahre her. Willi kam abends mit einer Tasse Kaffee an den Schreibtisch und fragte: „Wir haben heute alles Mögliche besprochen. Aber was mich noch interessiert: Wie geht es dir eigentlich?“ Diese Frage hat Heiko geprägt. Sie war Kultur, lange bevor jemand das Wort Unternehmenskultur benutzte.
Hornsteiner ordnet das ein: Menschen haben drei Grundbedürfnisse. Sie wollen sich sicher fühlen, positive Beziehungserfahrungen machen und wirksam sein. Die Aufgabe der Führungskraft ist, auf diese drei Konten einzuzahlen. Das gelingt nur, wenn sie bei sich selbst anfängt. Wer sich selbst die Frage nach dem eigenen Zustand verweigert, stellt sie auch keinem Mitarbeiter.
Fazit: Hinschauen, bevor der Preis steigt
Das System Unternehmen fordert Funktionieren, und es liefert immer neue Gründe dafür: Krisen, Lieferengpässe, KI-Projekte. Der Tag könnte 48 Stunden haben und es wäre noch zu wenig. Genau deshalb liegt die Verantwortung für deinen Zustand bei dir. Die Werkzeuge aus dieser Episode sind unspektakulär und sofort umsetzbar: Prüfe, was du tolerierst, und entscheide dich für eine Insel zur Zeit. Dazu kommt ein fester Termin mit dir selbst, notfalls nur fünf Minuten am Tag.
Der beste Zeitpunkt dafür liegt vor dem Knall. Heiko hat den anderen Weg erlebt und rät niemandem dazu. Trag dir heute den ersten Termin ein.
Wenn du merkst, dass du seit Monaten nur noch funktionierst, ist ein Gespräch unter Männern ein guter erster Schritt. MännerRunde für Führungskräfte in München
Heiko und Robert Hornsteiner sprechen in Episode 33 ausführlich über Präsenz, Toleranzgrenzen und Kultur. Hier anhören: https://youtu.be/E8glnT_iemo


